Die Konjunktive des Lebens.

  • Achim Schwenkel

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Im Jahr 2011 machte, Brian Skotko (Genetiker an der Harvard Medical School) eine Umfrage zur Lebensqualität unter 284 Menschen mit Down-Syndrom. 99 Prozent der Befragten gaben an glücklich zu sein, 86 Prozent waren davon überzeugt, leicht Freunde finden zu können. Aus Sicht der "Gesunden" ist sicherlich unstrittig, dass die Befragten ein Handycap zu tragen haben. Das "anders-sein" ist den Betroffenen durchaus klar, doch wird es nicht als nachteilig oder gar als Wertung der eigenen Person empfunden. Dabei ist jede Chance auf eine "Heilung" nach aktuellem Stand des Wissens nicht möglich. Können wir daraus etwas über die Konjunktive unseres Lebens lernen?

Kennst du das:

Ich sollte besser sein... Ich hätte lieber schon längst... Ich müsste schon viel weiter sein... Wäre nicht..., dann könnte ich... Ich würde so gerne... Eigentlich...

So oder ähnlich denkt es in vielen Köpfen, fast jeder findet in seinen Lebensumständen oder seiner Biographie manche Punkte, die ihm wenig perfekt, wenig erfolgreich erscheinen, in machen Fällen peinlich oder zumindest unangenehm sind. Irgendwie gab es da die ein- oder andere Hürde die nicht genommen wurde und zu den genannten Konflikten geführt hat. Häufig kommen im Leben dann noch andere Stressfaktoren und Störungen hinzu, die ganz normal aus den Erfordernissen des Lebens resultieren. Dabei gerät das Selbstwertgefühl schnell unter Druck, Betroffene fühlen sich als Versager und als Opfer; des Lebens, der Umstände, des Schiksals... Lebensfreude und Glück bleiben schnell auf der Strecke und sämtliche Lebensbereiche werden in Mitleidenschaft gezogen. So mancher verurteilt sich dann noch wegen seiner vermeintlichen Schwäche, damit nicht besser klarzukommen. "Ich sollte...".

"Der Mensch vergisst allzu schnell, dass das menschliche Glück vielmehr ein Zustand des Geistes als ein Zustand der Umstände ist"

(www.gedankenwelt.de)

Ich stelle die Frage: Ist das denn richtig? Stimmt das denn? Wenn ja, wie passt es dann, dass die oben genannten trotz ihres unüberwindbaren "Problems" praktisch zu 100% glücklich sind? Nehmen sie für sich vielleicht andere Maßstäbe in Anspruch? Nein. Das Lebensgefühl ist nur zu einem sehr kleinen Teil (wenn überhaupt) von den äusseren Umständen abhängig. Vielmehr sind es die Gedanken, die wir über uns selbst, die Anderen oder auch das Leben allgemein machen, darüber wie es sein sollte (da ist es wieder). In diesem Denken machen wir uns klein und zum macht- und wehrlosen Opfer (...des Lebens, der Umstände, des Chefs, der Politik...). Das kann sich nicht mehr gut anfühlen. Frage: Wie wäre dein Leben ohne diese Konjunktive? Ich behaupte, alle diese Sätze sind falsch. Wenn du diese Behauptung anwendest, dann hast du nichts "falsch" gemacht (kennst du viele menschen, die bewusst falsche Entscheidungen treffen?). Dann sollst du nicht "weiter" sein, sondern genau da, wo du stehst. Und dann kannst (nicht könntest) du dich entscheiden, neu entscheiden, wie du über dich und deinen Lebensweg denken möchtest. Wenn du zudem verstehst, dass deine Gefühle aus deinem Denken resultieren und nicht den Umständen, den (von dir bewerteten) Taten Anderer entstammen, dann steht dir die Türe zu einem neuen Leben offen, in dem Du entscheidest, ob und wie sich äussere Umstände ("Probleme"), auf dein Lebensgefühl auswirken sollen. Dann kannst du entscheiden, dich nicht länger also Opfer zu empfinden (ein entsetzlich lähmendes Gefühl) und dein Leben aktiv und selbstbestimmer leben.

"Heute kann der erste Tag eines neuen Lebens sein"

Wer sich nicht so viel (rückwärtsgerichtete!) Gedanken darüber macht, ob sein Leben nicht anders sein sollte, er nicht hätte andere Entscheidungen treffen müssen..., der hat gute Chancen, sich im Jetzt mit seinem Leben zu versöhnen, seine berufliche, familiäre und sogar gesundheitliche Situation tatsächlich (nicht konjunktivisch) und nachhaltig zu verbessern. Und das geht so: Annahme dessen, was war und zu welchem Jetzt es geführt hat. Alte und zumeist falsche Urteile (hätte, sollte, könnte) zurücknehmen und verstehen, dass es diese Verurteilungsgedanken waren, die uns so fühlen liessen, wie wir es tatten. Und dann mit diesem Bewusstsein neue Entscheidungen treffen, mehr beobachten - weniger verurteilen und neue, bessere Ziele finden und richtig angehen. Wann willst du das Tun? Oder solltest du noch abwarten, doch dann könnte es sein, dass du verpassen würdest, wer oder was du sein oder haben könntest. Dann hättest du eine wichtige Chance vertan. Das wäre eigentlich schade...

"One day or day one - you decide...?"


 Zum Thema "Ziele" wird es im nächsten Artikel im Blog gehen... [hier]

Danke an Mark für folgenden Link: Leidest du an der Wenn-Dann-Krankheit? Ein Leben im Konjunktiv.

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