Eigentlich

  • Achim Schwenkel

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Benutzt du dieses Wort eigentlich schon mal? Häufiger? Ich immer weniger, denn eigentlich ist es eine zwiespältige Sache damit. So kann es auf das Eigentliche, also das Wesentliche verweisen. Aber es hat auch eine verführerische und oft schädliche Schattenseite. In meinen Coachings und auch in Gruppentreffen höre ich es so oft, dass ich denke, das gehört mal genauer beleuchtet...

[Hier] Findest Du einen Link zu einem (wie ich finde) sehr guten externen Beitrag von einem Schweizer Kollegen, aus dem ich hier zitieren möchte:

eigentlich ist nur was für Unklare

Das Wort eigentlich führt im Gespräch zu Unklarheit, Interpretationsspielraum und zur Abgabe der Verantwortung [...]

für das Gesagte. Ich verlasse damit den mir eigenen Bereich meiner Aussage, meines Standpunktes und deklassiere diesen. Die getroffene Aussage wird abgewertet, vermindert oder sogar verneint. Mit dem Wort eigentlich fehlt dem Objekt der Bestandteil, was dem Objekt eigen ist. Es wird also reduziert.

Verantwortung übernehmen

Ein schönes, einfaches Beispiel ist: "Das Wetter ist eigentlich schön!" Dies bedeutet, das Wetter ist eben nicht schön, sondern zu heiss, zu kalt, zu windig, oder was auch immer. Auf jeden Fall fehlt ein Bestandteil, damit es als schön betrachtet werden kann. Weiterhin lässt es demjenigen, der diese Aussage tätigt, die Möglichkeit offen, eine andere Meinung anzunehmen. Sollte z. B. der Gesprächspartner sagen, ich finde es viel zu kalt, hätte nun der Aussagende die Möglichkeit, einfach die Meinung des Gesprächspartners anzunehmen. Das heisst, hier übernimmt der "eigentlich"-Sagende, nicht die Verantwortung für seine Aussage. Er steht nicht für das ein, was er sagt!

Ein weiteres Beispiel: "Eigentlich finde ich dich nett!" Wer hätte da nicht ein flaues Gefühl, wenn wir gemeint wären!? Lass hier einmal das Wort "eigentlich" weg. Dann klingt der Satz ganz anders: "Ich finde dich nett!" Merkst du den Unterschied? Im ersten Beispiel grenze ich das Nett sein meines Gegenübers ein. Mir fehlt also irgendeine Eigenschaft meines Gegenübers, dass ich ihn wirklich nett finden kann! Ich benenne es allerdings nicht! Bleibe damit also mit meiner Aussage im Interpretationsspielraum derjenigen, die diese Aussage mitbekommen. Die "dürfen" jetzt entscheiden, was mir nicht gefällt (um es vorweg zu nehmen, ich gehe hier bereits davon aus, dass die Gesprächspartner bereits das Wissen davon haben, dass das Wort "eigentlich" eine Beschränkung des Gesagten darstellt. Der "Nicht-Wissende" wird jedoch noch so undifferenziert sein, dass er dies eh nicht mitbekommt und meint, ich finde ihn wirklich nett). Will man mich jedoch auf eine missbilligende Eigenschaft (die ja von mir nicht benannt wurde) fixieren oder verantwortlich machen, was mir "angeblich" nicht gefällt, so habe ich jetzt die Möglichkeit zu kontern! Denn, "dass habe ich doch gar nicht gesagt und auch nicht gemeint"! Ich übernehme damit also keine Verantwortung für meine Aussage, bzw. für das Nicht-Gesagte, für den sogenannten Interpretationsspielraum! Obwohl ich diesen bewusst in Kauf genommen habe!

Wo ist die Klarheit?

Beim Benutzen des Wortes eigentlich vergesse ich mich selbst als wichtigen Bestandteil des Gesagten. Ich bin nämlich der Teil, der die Verantwortung trägt! Und der fällt hier zum grössten Teil weg. Jede Aussage mit eigentlich wird zu einem unnützen Wortschwall, wo der Empfänger nachfragen muss, wie der Satz denn wirklich gemeint ist! Klarheit liegt hier in der NICHT-Benutzung des Wortes eigentlich! Denn wenn der Empfänger der Botschaft erst nachfragen muss, was die wirkliche Aussage sein soll, wird jegliche Kommunikation schwerfällig und verliert an Energie.

Das bedeutet, durch das Weglassen dieses Wortes werden meine Aussagen klarer, effizienter, zielgerichteter. Ich übernehme Verantwortung für mich und meine Aussagen und damit werde ich selber klarer in meinen Gedanken und im Verstand. Ziele sind dadurch für mich einfacher erreichbar! Denn ich weiss, was ich will!

Was heisst eigentlich "eigentlich"?

Ich möchte zur "Ehrenrettung" des Wortes sagen, dass nach den Begriffsbestimmungen und Synonymen laut Wiktionary, Fehlinterpretationen des Wortes eigentlich leider zustande kommen müssen. Da das Begriffsspektrum sehr breit gefächert ist, bleibt es im Ermessen des Empfängers, den richtigen Begriff dafür zu finden. Im obigen Beispiel, "eigentlich finde ich ihn nett", würde der Begriff "in Wahrheit" nicht passen, sondern eher das "Kennzeichen für einen halbherzig gemeinten Einwand" laut Wiktionary. Das Beispiel aus dem Wiktionary: "Es ist eigentlich beunruhigend, wie viele Autos es auf deutschen Straßen gibt, aber es kurbelt die Wirtschaft an." zeigt klar, dass durch das Weglassen von eigentlich der Satz an Schärfe und Klarheit gewinnt. Denn es ist beunruhigend, wie viele Autos auf deutschen Strassen rumfahren! Daher macht es wirklich Sinn, dieses Wort, für einen klaren, effizienten Sprachgebrauch zu vermeiden!

Was passiert energetisch?

Übrigens, energetisch passiert Folgendes: Bei einer klaren Aussage von mir, fliesst meine Energie nach vorne und ist zielgerichtet. Verwende ich das Wort eigentlich, so bleibe ich mit meiner Energie stehen! Ich stoppe also! Denn ich übernehme nicht mehr die Verantwortung für mein Gesagtes, es ist nicht mehr zielgerichtet. Ohne Ziel rotiert die Energie im Kreis und kann nicht vorwärts fliessen! Ich blockiere damit meine eigenen Energien.

Quelle: https://www.gestaltvision.de/gedanken-und-begriffe/44-eigentlich.html aufgerufen am 22.09.2017 12:00

Tipp: Sei klar in dem was du denkst, sei eindeutig in deinen Worten. Dann gewinnen auch deine Handlungen an Kraft. Vermeide daher das relativierende Wort "eigentlich", vor allem wenn es in Verbindung mit Konjunktiven oder "Aber" gebraucht werden soll. Es lohnt sich immer genau hinzuhören, wenn dein Gegenüber dies tut...

"Dein Leben könnte doch eigentlich schöner sein, ABER...?"


 Um das Thema "Konjunktive" geht es in diesem Artikel im Blog ... [hier]

 

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