"Gute" Vorsätze...

  • Achim Schwenkel

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„Gute Vorsätze sind Schecks, auf eine Bank ausgestellt, bei der man kein Konto hat.“

Oscar Wilde (1854 - 1900)

...sind die wohl beste Möglichkeit schon im Voraus ein schlechtes Gewissen für einen neuen Lebensabschnitt zu programmieren. Hinter allen diesen Vorsätzen, und seien sie auch noch so gut und aus edlen motiven geboren, steht  ein "Du solltest". Es beinhaltet immer die zumeist unbewusste Auffassung, du solltest anders sein (als du bist), im Zweifelsfall irgendwie besser, und meint aber doch nichts anderes als ein "Ich bin nicht OK". Du denkst, dass du Energie in die Entstehung einer besseren Version von dir oder deinem Leben investierst. Ein Irrtum! Das Gegenteil ist der Fall.

Zunächst einmal stärkt es das Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung ist, so wie es ist, dass es besser sein müsste, in seinem derzeitigen So-sein nicht genügt. Das macht Druck. Es ist nichts anderes als ein Selbstvorwurf, ein sich selbst verantwortlich und klein machen. Also schnell ein guter Vorsatz her (oder gleich ein paar): Im nächsten Jahr werde (sollte) ich...

  • gesunder leben
  • mehr Sport machen
  • weniger Alkohol trinken
  • ein besserer Partner in Beziehungen sein
  • abnehmen
  • das Rauchen aufgeben
  • mehr Zeit für die Familie, Freunde, mich selbst haben
  • ...

Was davon trifft auch auf dich zu? Das sind doch gute Vorsätze oder? Übersetzen wir es einmal in die Gedanken (Glaubenssätze) die es dazu in dir denkt:

"Ich lebe nicht gesund, mache zuwenig oder auch gar keinen Sport, trinke zu viel Alkohol, bin ein mieser Partner, zu dick, zu schwach, um das Rauchen (oder andere Laster = Schädliche Angewohnheiten und Süchte) zu lassen, nehme mir keine Zeit für für die Familie, Freunde, mich selbst..."

Diese Aufzählung lässt sich vermutlich beliebig und individuell erweitern. Das Problem dabei ist, dass aus eben diesen Gedanken die Programmierung/Steuerung unserer Motivation unserer Gefühle und unseres Selbstbildes resultiert. Und diese "Programmiersprache" ist insofern zeitlos, als aus dem "Ich sollte sein" die auf jetzt bezogene Aussage "Ich bin nicht" wird, und das wird dann das steuernde Programm. Und solange die Aussage "Ich bin nicht" lautet, werden wir unbewusst immer versuchen, diese Aussage durch Verzerrung von Wahrnehmung, einseitige Gefühle und Motivationen zu bestätigen. ("Was der Denker denkt, wird der Beweisführer beweisen" R.A. Wilson). Will man  aus dem Dilemma herauskommen, wollen zunächst die Aussagen die als "müsste", "würde", "sollte" * usw. auf die Zukunft zielen, zu Aussagen über die Gegenwart gemacht werden. So widersinnig es auf den ersten Blick erscheinen mag, was in der Zukunft realisiert sein soll, muss in der Gegenwart als bereits erreicht gedacht sein, ansonsten wird es enorm schwierig, mit unseren eingeschränkten bewussten Willenskräften, der Macht der unbewussten Programme zu begegnen. Innerer Schweinehund, Antriebsarmut, Ablenkbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Stress... Sehr leicht werden wir auf falsche Spielfelder gelotst und tragen Stellvertreterkriege (zum Leidwesen unserer Umgebung) aus.

Das bewirken Vorsätze:

Dass wir im Inneren alles lassen wollen, wie es ist, und wir unser Selbstvertrauen und unseren Willen aufgrund der "falschen Programmiersprache" unterwandern. Wir fühlen uns dann mies und als Versager. Nach meiner Erfahrung werden die Messlatten bei guten Vorsätzen oft ambitioniert hoch gesetzt (und damit ein Scheitern sehr wahrscheinlich). Warum? Soll nur ein schlechtes Gewissen beruhigt werden? Eine Vertagung des Problems bewirkt? Oder ist schon hier die unbewusste Selbst-Sabotage im vollen Gange?

Vergiss die Vorsätze!

Es gibt wirksamere Methoden um wirkliche Veränderungen zu bewirken (s.a. "Wer kein Ziel hat, kann auch keines erreichen"). Wie bei einem gewöhnlichen Training fämgt man mit kleinen glaubwürdigen Schritten als Übung an. Hat man einmal verstanden, wie man seine Programmierung nutzen kann (zum Meta-Programmierer wird) versteht man schnell, welche Macht in dieser geradezu elegant unauffälligen Methode steckt: ENTSCHEIDUNGEN oder für den Anfang erst mal eine entscheidung (bewusste Kleinschreibung). Das geht so: Schmeisse alle Vorsätze über Bord die du vielleicht hast. Aha das fühlt sich gleich entspannter an, nicht wahr? Und jetzt: Triff eine Entscheidung. Eine kleine, bei der du sicher bist, sie nachhaltig treffen zu können. Egal worum es geht. Entscheide und halte dich daran. Nimm fürs erste etwas, das dir nicht weh tut und vielleicht auch nicht wirklich wichtig ist. (Zähne putzen auch mal mit der anderen Hand, andere Kaugummimarke, Nachrichten auf einem anderen Sender...) Wenn du nach deiner Entscheidung lebst, stärkst du unmittelbar dein Selbstvertrauen und traust dir dann eine etwas größere Entscheidung zu. Vielleicht findest du auch Gefallen daran, enfach mal Dinge anders, oder andere Dinge zu machen. Du wirst staunen, welche Veränderung das in deinem Leben bewirken kann, während der Schweinehund (der heisst eigentlich Limbi) am Kamin liegt und schnurrt...

Welche Entscheidung triffst du genau jetzt?


* s. https://paracoaching.de/blog/42-die-konjunktive-des-lebens

 

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